Orte der Geschichte und Architektur

Ein Spaziergang rund um die Potsdamer Straße kann zu einem Gang durch die frühe und jüngste Geschichte werden, vorbei etwa an den Königskolonnaden (1780) und dem Kathreinerhaus (1930) am Kleistpark bis hin zum Pallasseum (1977) über dem Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg.

     
Königskolonaden am Kleistpark    
Königskolonnaden am Kleistpark

Potsdamer Straße/Kleistpark
zwischen Potsdamer Str. 188 und 186
10783 Berlin

1780 erbaut, standen die Königskolonnaden zunächst 130 Jahre an der Königsbrücke am Alexanderplatz. 1910 wurden sie an die Potsdamer Straße in Nähe des gerade entstehenden Kammergerichts umgesetzt. Geht man heute die Potsdamer Straße in südlicher Richtung öffnet sich unvermutet die Häuserfront auf die Kolonnaden als ein Schmuckstück barocker Baukunst. Zusammen mit dem angrenzenden Kleistpark sind sie Teil des Botanischen Gartens, der ursprünglich als kurfürstlicher Hofgarten angelegt wurde.

     
Kammergericht    
Kammergericht

Elßholzstr. 30-33
10781 Berlin
www.berlin.de/sen/justiz/...

Berlins Kammergericht zog 1913 vom Collegienhaus (heute Altbau des Jüdischen Museums) in den imposanten Neubau am Kleistpark, der von 1909 bis 1913 erbaut wurde. Unter Vorsitz des berüchtigten Nazi-Richters Roland Freisler wurden hier die Attentäter auf Hitler vom 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt. Im geteilten Deutschland diente das Gebäude zunächst dem Alliierten Kontrollrat, der jedoch nach dem Auszug der Russen im März 1948 nicht mehr tagte. Im Gebäude verblieb die Alliierte Luftsicherheitszentrale. Neben dem Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau war sie die einzige Institution, an der die vier Mächte bis 1989 kontinuierlich kooperierten. Heute beherbergt das Gebäude wieder das Berliner Kammer- und Verfassungsgericht.

     
   
Pallasseum

Pallasstraße/Potsdamer Straße
10781 Berlin

Als dieser Wohnblock Ende der siebziger Jahre auf dem Gelände des abgerissenen Berliner Sportpalastes nach Entwürfen des Architekten Jürgen Sawade errichtet wurde, galt er als Musterbeispiel modernen Wohnens. Der mächtige Block überspannt die Pallasstraße sowie einen Hochbunker und ist den Berlinern umgangssprachlich auch als "Sozialpalast" bekannt. Das Zusammenleben der über 2000 Menschen aus mehr als 30 Nationen sorgte phasenweise für Konflikte, so dass Mitte der 90ger Jahre sogar ein Abriss im Gespräch war. Durch das Engagement des Quartiersmanagement Schöneberg-Nord in Zusammenarbeit mit Hausverwaltung und Bewohnern konnte jedoch ein Wandel bewirkt werden. Die Wohnanlage, seit 2001 den Namen "Pallasseum" trägt, ist heute eine begehrte Wohnadresse.

     
   
Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg

Pallasstraße/Potsdamer Straße
10781 Berlin

Der vierstöckige Hochbunker, über dem Ende der siebziger Jahre das heutige Pallasseum errichtet wurde, ist 1943 - 45 im Rohbau von Zwangsarbeitern errichtet worden. 1986 - 1989 wurde er als die größte Zivilschutzanlage Berlins umgebaut. Seit 2002 wird der Bunker durch die benachbarte Sophie-Scholl-Schule als "Ort der Erinnerung" betrieben. Das Gebäude wird ebenfalls als Veranstaltungsort genutzt.

     
Begaswinkel    
Begaswinkel

Genthiner Str. 30 A–C und F–K
10785 Berlin

Die 1871 von Ernst Klingenberg erbaute Wohnhausgruppe im Begaswinkel besteht heute aus sechs von ehemals zehn Stadtvillen und ist U-förmig um einen Hof arrangiert. Das "Genthiner Winkeldasein" war in Künstlerkreisen Anfang des 20. Jahrhunderts legendär. In einer Stichstraße abseits von der Genthiner Straße trafen sich seit 1880 Adlige, Architeckten, Maler, Sänger, Verleger im Salon von Luise Begas-Parmentier, der Gattin von Adalbert Begas, dessen Bruder Reinhold den Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus gestaltete. Den zweiten Weltkrieg überlebten die Gründerzeitvillen relativ unzerstört. Heute gelangt man durch die Toreinfahrt eines modernen Gebäudes zu dem Areal, das unter Denkmalschutz steht.

     
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof    
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof

Großgörschenstr. 12
10829 Berlin
Zwölf-Apostel-Gemeinde
www.zwoelf-apostel-berlin.de/kirchhoefe/...
www.efeu-ev.de

Mit etwa 60 "Ehrengräbern" (z.B. Gebrüder Grimm, Mediziner Virchow und Komponisten Max Bruch) ist der Friedhof ein bedeutsames Archiv der Berliner Stadtgeschichte. Im Dritten Reich wäre der Kirchhof beinahe den Stadtplänen Albert Speers zum Opfer gefallen und noch bis in die 60ger Jahre sind viele baufällige Grabstätten berühmter Persönlichkeiten eingeebnet worden. Erst in den 70ger Jahren besann man sich die Erinnerungsstätten zu erhalten und die bedeutende Sammlung an freistehenden Skulpturen und herausragenden Grabarchitekturen des 19. und 20. Jahrhunderts wurde zum Gartendenkmal erkoren. Der Kirchhof ist seit 2001 in Trägerschaft der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Seit 2006 kümmert sich der Verein EFEU e.V. um den Erhalt dieses bedeutenden innerstädtisches Natur- und Kulturdenkmal und dessen aktuelle Nutzung. Neben Führungen, Ausstellungen und Lesungen wird u.a. ein Café betrieben.

     
Maggihaus    
Maggihaus

Lützowstr. 102 - 104
10785 Berlin

1911 ließ der das Schweizer Brühwürfelunternehmen Maggi eine Fabrik mit drei Gewerbehöfen, Seitenflügel und Quergebäude in der Lützowstraße bauen. Diese Bauweise für Gewerbenutzung war derzeit in Berlin keine Seltenheit. Besonders allerdings war die Werksteinfassade mit den vielen skulpturalen Details, die auch heute noch beeindruckt. Damals stand der Gebäudekomplex, der heute unter Denkmalsschutz steht, zwischen Wohnhäusern, schräg gegenüber einer Synagoge. Als eines von wenigen Häusern hat er den zweiten Weltkrieg überlebt. Heute sind Medien- und Handwerksunternehmen auf dem ehemaligen Fabrikgelände untergebracht.

 
Potsdamer Strasse kompakt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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